Besançon, Bibliothèque municipale, Ms. 41 (P)

Besançon, Bibliothèque municipale, Ms. 41 (P)

Wilhelm von Auxerre / Usuardus von Saint-Germain

Handschriftentitel:

Besançon, Bibliothèque municipale, Ms. 41 (P) Frankreich (?) 15. Jh. Wilhelm von Auxerre / Usuardus von Saint-Germain

Entstehungsort:

Frankreich (?)

Entstehungszeit:

15. Jh.

Äußere Beschreibung

Beschreibstoff:

Papier.

Als Wasserzeichen lassen sich im Papier des ersten Teils (Bl. 1-84) ein Kreuz oder kreuzförmiges Blatt mit abgerundeten Balken+ (Bl. 5, 8, 9, 12, 13, 19, 21, 23, 29, 31, 35, 39, 41, 42, 49, 51, 53, 68, 70, 72, 80, 82)x und eine Pokal ausmachen+ (Bl. 2, 14, 15, 18, 24, 26, 28, 32, 36, 38, 45, 46, 48, 54, 56, 58, 59, 62, 75, 77, 83)x, die beide in zwei parallel verlaufende Linien im Falz auslaufen und vermutlich gemeinsam ein Motiv bilden. Allerdings ist ihre jeweilige Zusammengehörigkeit nur mit Mühe in Einklang mit den durch die Kustoden+ (8v, 18v, 28v ,38v, 48v, 58v, 68v, 78v, 93v, 103v, 113v, 125v)x eindeutig zu identifizierenden Lagen zu bringen (s. Skizze I).

Im Papier des zweiten Teils (Bl. 85-132) findet man als Wasserzeichen einen Ochsenkopf (+ Bl. 90, 96, 103, 104, 108, 111, 121, 123, 127, 129, 131, 132; x Skizze I; vgl. Briquet IV, Nr. 14102-15284; Piccard, II,1, S. 105ff.), der sich in einem fortgeschrittenen Stadium der Verfroschung befindet und in einer Linie ausläuft, die in ein Sternchen aus drei sich kreuzenden Strichen mündet (Bl. 87, 93, 94, 101, 106, 109, 116, 118, 125, 132; Skizze II).

Die Qualität der Vor- und Nachsatzblätter ist gegenüber dem anderen Papier etwas gröber bzw. stärker. Bl. B weist möglicherweise ein schwer lesbares Wasserzeichen auf, vielleicht einen kursiv geschwungenen Schriftzug.

Umfang:

132 Bl. 20 x 14,3 cm (Quart)

Foliierung:

Die Foliierung wurde von einer Hand des 19. Jahrhunderts (?) in schwarzer Tinte durchgeführt, beginnend mit Bl. 2.

Lagenstruktur:

Zwischen Bl. 84 und Bl. 85 wurden drei Blätter herausgeschnitten; es handelte sich um die letzten beiden Blätter der letzten Lage des ersten Teils (Bl. 79-84 – ursprünglich ein Quaternio) sowie das erste Bl. der ersten Lage des zweiten Teils (Bl. 85-93 – ursprünglich ein Quinio).

Bei den Vor- und Nachsatzblättern handelte es sich ursprünglich um Binionen, d.h. um zwei Papierbögen, die zu vier Blättern zusammengefaltet wurden. Vorne wurde das erste Blatt auf der Innenseite des vorderen Buchdeckels als Spiegel verklebt, hinten das dritte Blatt auf der Innenseite des hinteren Buchdeckels. Das vierte Blatt wurde aus beiden Binionen herausgeschnitten, wobei vorne (zw. Bl. B und Bl. 1) in dem Falz noch ein Rest dieses Blattes zu sehen ist.

Die relative Sauberkeit der Vor- und Nachsatzblätter läßt darauf schließen, daß sie dem Codex nachträglich beigefügt wurden, vermutlich erst bei der letzten Bindung. Dafür spricht auch die Tatsache, daß die Löcher, die ein Wurm auf seinem Weg durch die letzten Blätter (Bl. 127-132) hinterließ, abrupt enden und auf den Nachsatzblättern nicht mehr zu finden sind.

Zustand:

Durch Neuschnitt des Buchblocks sind einige Marginalien gekappt oder ganz entfernt worden (Bl. 12v, 31v). Zahlreichen Folia wurden repariert und ausgebessert (vgl. Bl. 85, 94, 113 u.v.m.).

Seiteneinrichtung:

1 Kol., 21 Zeilen

Der Schriftspiegel der Summa wurde mit Bleistift gezogen und weist etwa folgende Maße auf: 1,45 x 1,00cm (bzw. das mit Bleistift gezogene Carrée: 13,9 x 9,6cm). Darüber verteilen sich mindestens 30 Zeilen (Bl. 1r) und höchstens 35 Zeilen (Bl. 9r). Eine Punktierung der Blätter für die Linienziehung des Schriftspiegels ist nur noch an den oberen Seitenenden zu sehen. Eine Linierung selbst ist nicht sichtbar. Der Text setzt oberhalb der oberen Linie ein.

Schrift und Hände:

Der Codex umfasst zwei Texte, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten von ein und demselben Schreiber fertiggestellt wurden. Henricus Monnerius aus Porrentruy in der heutigen Schweiz, Presbyter und Mönch, konnte die Abschrift der Summa de officiis im Jahre 1465 vollenden: "Per manus henrici monnerij presbiteri Anno dominj Moccccolxvo (Bl. 84v, mit dem Signet des Schreibers).

Die Abschrift des Martyrologiums des Usuardus hatte er bereits elf Jahre früher, am 12. Februar 1454, abgeschlossen: Explicit martirilogium [sic!] completum xija februarij, Anno 1454 etc. / Explicit martilogium [sic!] husuardj presbiterj et monachi .h. monnerij (Bl. 132r, ebenfalls mit dem Signet des Schreibers).

Die beiden Teile unterscheiden sich äußerlich in ihrem Schriftspiegel, der Farbe der benutzten Tinte, die im zweiten Teil etwas schwärzer erscheint, und in dem jeweils verwendeten Papier, das unterschiedliche Wasserzeichen (s.o.) aufweist. Beide Texte wurden in einer Hybrida libraria ausgeführt.

Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:

    Das Textbild der Summa und des Martyrologiums ist mit roten Lombarden strukturiert.+ Ihre Ausführung und Verzierung läßt sich charakterisieren als recht kunstvoll (Bl. 14v, 15r, 16r, 17r, 19v, 20r, 22v, 23v, 27v, 43r, 51r) über schlicht (Bl. 1v, 22r, 24v) bzw. kunstlos (Bl. 3v, 5r, 6r, 6v, 7r, 16v, 21r, 24v, 25r-26r) bis mißraten (Bl. 7v). Sie sind zumeist in den Textkörper integriert, in dem zuvor entsprechend Platz gelassen wurde (Ausnahmen: Bl. 1r, 15r, 60r, 64v). Sie variieren in der Größe und können sich über eine Zeile (Bl. 35v, 36v, 44r-45r etc.), über zwei Zeilen (Bl. 36r) 3 Zeilen (Bl. 6v, 7r, 24v, 25v, 26r etc.), 4 Zeilen (Bl. 6r, 7v, 20r, 25r etc.), 5 Zeilen (Bl. 1v, 3v, 5r, 19v, 20r, 21r, 22r, 25v-26r, 27v etc.) oder auch über 6 Zeilen (Bl. 14v, 16r-17r, 22v) erstrecken. Der Lombarde am Kapitelanfang folgt zumeist eine Majuskel, die den Majuskeln der Satzanfänge entspricht. Oft wird auch der Rest des jeweiligen Eingangswortes und zuweilen darüberhinaus der Anfang des folgenden Wortes in großen, breiten Minuskeln ausgeführt, die sich über die volle Zeilenhöhe erstrecken und diese auch überschreiten können (vgl. Bl. 1v, 5r, 14v, 15r, 16r-17r, 19v, 20r, 22r, 22v, 23v, 25r-26r, 27v etc.). Die kleinste Majuskelstufe ist in der schwarz-bräunlichen Tinte des Haupttextes ausgeführt und markiert in der Regel Satzanfänge; sie überschreitet nicht die Zeile und wurde nachträglich mit einem roten Zierstrich versehen (passim). Kürzel und Oberlängen der ersten Zeile reichen zuweilen in dezenten Schnörkeln über den Zeilenrand hinaus (passim).x

    Als weitere Strukturelemente werden Rubriken (Bl. 1r [Incipit], 1v, 5r, 14r, 15r, 16r, 19r, 20r, 22r, 22v, 23v, 24v, 25r-26r, 27v etc., 84v [Desinit]) und rote Unterstreichungen von Bibelverweisen und Autoritäten (passim) sowie Marginalien (vgl. 13r, 25v) eingesetzt.

Spätere Ergänzungen:

Marginalien von späterer Hand finden sich auf Bl. 3r, 9r, 15r, 46r, 50v (Kritzelei).

Auf Bl. 1r oben, am Beginn der Summa de officiis ecclesiasticis, ist der erste Teil des Codex mit 1. beziffert. Von derselben Hand ist auf Bl. 85r oben, am Beginn des Martyrologiums, neben der Blattzählung der zweite mit 2. bezeichnet.

Einband:

Halbleder-Einband aus dem 18./19. Jahrhundert.

Auf dem Buchrücken goldene Prägestempelung: dezente Verzierung und die Aufschrift MANUSCRITS.

Inhalt:

  1. Bl. 1r-84v

    (1465).

    Wilhelm von Auxerre, Summa de officiis ecclesiasticis

    Rubrik: Jncipit summa de officiis ecclesiasticis edita a magistro guillermo antisiodorensis.

    JHerusalem que de sursum est ad galatas 4o ante finem mater nostra dicitur propter tria. ...–... Habent eciam stolam, que significat leue Jugum christi que a dextris et a sinistris coniungitur cum cingulo.

    Rubrik: Explicit summa de ecclesiasticis officuis [sic!] . Edita a magistro guillermo antisiodorensi.

  2. Bl. 85r-132r

    (1454).

    Usuardus von Saint-Germain, Martyrologium

    unvollständig, endet mit den 10. Kalenden des Januar.

    Edition: Jacques Dubois, Le martyrologe d'Usuard (Subsidia Hagiographica 40), Bruxelles 1965; PL 123,599A - 124,829.

    DOmino venerabiliter recolendo karolo regi piissimo husuardus quamquam indignus ...–... vsque ad finem vite paraliticus jacebat Ad cuius tumbam miracula creberrime fiunt.

Herkunft

Entstehung der Handschrift:

unbekannt

Provenienz der Handschrift:

Auf Bl. 1r unten und auf Bl. 132v mittig eine blaue Stempelung mit einem Adlermotiv, das von zwei Säulen flankiert wird und folgende Umschrift aufweist: BIBLIOTHÈQUE DE BESANÇON 1694. Auf Bl. 132r findet sich ein geschwungener Besitzervermerk aus dem 16. Jh.: Jn Libris Domini Jacob .

Bibliographie

  • Auguste Castan, Catalogue général des manuscrits des bibliothèques publiques de France, Bd. 32 (Besançon), Paris 1897, 28. (Online-Version auf archive.org, cf. Memoire vive - Ville de Besançon)
  • Martineau 1932, 33.
  • Samaran/Marichal, Bd. 5 (1965), 5 (mit Abb. 144 u. 118), vgl. 3 (Ms. 12).
  • Ribaillier 1987, 12.

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Abbildungen


Bv | 1r | 1v | 2r | 2v | 3r | 3v | 4r | 4v | 5r | 5v | 6r | 6v | 7r | 7v | 8r | 8v | 9r | 9v | 10r | 10v | 11r | 11v | 12r | 12v | 13r | 13v | 14r | 14v | 15r | 15v | 16r | 16v | 17r | 17v | 18r | 18v | 19r | 19v | 20r | 20v | 21r | 21v | 22r | 22v | 23r | 23v | 24r | 24v | 25r | 25v | 26r | 26v | 27r | 27v | 28r | 28v | 29r | 29v | 30r | 30v | 31r | 31v | 32r | 32v | 33r | 33v | 34r | 34v | 35r | 35v | 36r | 36v | 37r | 37v | 38r | 38v | 39r | 39v | 40r | 40v | 41r | 41v | 42r | 42v | 43r | 43v | 44r | 44v | 45r | 45v | 46r | 46v | 47r | 47v | 48r | 48v | 49r | 49v | 50r | 50v | 51r | 51v | 52r | 52v | 53r | 53v | 54r | 54v | 55r | 55v | 56r | 56v | 57r | 57v | 58r | 58v | 59r | 59v | 60r | 60v | 61r | 61v | 62r | 62v | 63r | 63v | 64r | 64v | 65r | 65v | 66r | 66v | 67r | 67v | 68r | 68v | 69r | 69v | 70r | 70v | 71r | 71v | 72r | 72v | 73r | 73v | 74r | 74v | 75r | 75v | 76r | 76v | 77r | 77v | 78r | 78v | 79r | 79v | 80r | 80v | 81r | 81v | 82r | 82v | 83r | 83v | 84r | 84v | 85r | 85v | 86r | 86v | 87r | 87v | 88r | 88v | 89r | 89v | 90r | 90v | 91r | 91v | 92r | 92v | 93r | 93v | 94r | 94v | 95r | 95v | 96r | 96v | 97r | 97v | 98r | 98v | 99r | 99v | 100r | 100v | 101r | 101v | 102r | 102v | 103r | 103v | 104r | 104v | 105r | 105v | 106r | 106v | 107r | 107v | 108r | 108v | 109r | 109v | 110r | 110v | 111r | 111v | 112r | 112v | 113r | 113v | 114r | 114v | 115r | 115v | 116r | 116v | 117r | 117v | 118r | 118v | 119r | 119v | 120r | 120v | 121r | 121v | 122r | 122v | 123r | 123v | 124r | 124v | 125r | 125v | 126r | 126v | 127r | 127v | 128r | 128v | 129r | 129v | 130r | 130v | 131r | 131v | 132r