Trier, Stadtbibliothek, Ms. 532/833

Trier, Stadtbibliothek, Ms. 532/833

Wilhelm von Lavicea / Wilhelm von Auxerre

Handschriftentitel:

Trier, Stadtbibliothek, Ms. 532/833

Entstehungsort:

St. Eucharius - St. Matthias vor Trier

Entstehungszeit:

13.-14. Jh.

Frühere Signatur(en):

194

Äußere Beschreibung

Beschreibstoff:

Pergament.

Die Papierbögen, die als Spiegel hinten und vorne verklebt wurden, setzen sich jeweils als Vorsatzblatt A bzw. Nachsatzblatt A' fort.

Bl. A' weist im Falz möglicherweise ein Wasserzeichen auf, möglicherweise den oberen Teil einer Lilie.

Umfang:

115 Bl.

Format:

19,9 x 14 cm

Lagenstruktur:

Seiteneinrichtung:

2 Kol.

Spätere Ergänzungen:

An den Spiegel des vorderen Buchdeckels sind zwei Formulare der Bibliothek für die Benutzung von Handschriften der Trierer Stadtbibliothek angeklebt. Aus dem einen Formular geht hervor, daß der Benediktinermönch Willibrord Hug diesen Codex vom 13. Januar bis zum 20. Februar 1936 verwendet hat, um eine Abschrift der Summa de officiis ecclesiasticis anzufertigen. Zwei an die Stadtbibliothek adressierte Briefe Hugs sind am hinteren Buchdeckel eingeklebt, in denen er sich für das zweimalige Ausleihen des Codex nach Neresheim an die Abteibibliothek bedankt, was ihm ermöglicht habe, eine Grundlage für eine textkritische Edition der Summa anzufertigen. Nach Auskunft der Abtei verstarb Willibrord Hug kurze Zeit später. Die hier dokumentierten Arbeiten an dem Editionsprojekt seien unauffindbar. Sie wurden offensichtlich nie zu Ende geführt oder auch nur in Teilergebnissen veröffentlicht. Aus einem Eintrag auf dem zweiten Formular geht hervor, daß Heribert Douteil (C.S.Sp.) den Codex am 29. Oktober 1970 mit der Begründung eingesehen hat, eine Edition der Summe Wilhelms von Auxerre (!) anzufertigen. Douteil war im Frühjahr 1969 von Prof. Karl Langosch, dem damaligen Lehrstuhlinhaber für Mittellateinische Philologie an der Universität zu Köln, mit der Erstellung einer kritischen Edition der Summa de ecclesiasticis officiis des Johannes Beleth (!) betraut worden (s. CCCM 41, 7*).

Einband:

Der Einband besteht aus hellem Schweinsleder, das auf zwei Papp-(?) Deckel aufgezogen wurde. Auf dem Buchrücken zeichnen vier Bünde und die beiden Kapitale ab.

Vorne wie hinten finden sich Verzierungen durch Preßstempelung: Vorne ist in einem mit Ornamenten versehenem Rahmen mittig eine figürliche Darstellung des hl. Mathias eingeprägt: gewandet, bärtig und mit Heiligenschein; zu seinen Füßen die Inschrift S.MATHIAS.

Herkunft

Provenienz der Handschrift:

Der Codex stammt aus der Benediktinerabtei St. Eucharius - St. Matthias vor Trier. Ein Ex libris aus dem 14. Jh. auf dem Recto des zweiten Vorsatzblattes (Bl. Br) weist die Abtei als Besitzer aus: Codex monasterij sancti Eucharij primi treberorum archiepiscopi / Sanctique Mathie apostoli Extra muros treberenses. Darunter befindet sich ein ausradierter und daher nicht mehr zu entziffernder Vermerk: Jste liber ... (ein sich anschließendes Inhaltverzeichnis wurde von derselben Hand angelegt). Der Codex läßt sich außerdem mit der Nummer 177 eines Katalogs von 1530 identifizieren, die ihn demselben Bestand zuschreibt (Edition bei Montebauer 1931, 67). 1803 wurde er mit dem Großteil dieses Bibliotheksbestand in den Besitz der Stadtbibliothek von Trier überführt; ebenfalls auf Bl. Br liest man: Bibl. publ. civ. Trier 1803; darunter die Ziffer 130 sowie ein Bibliothekstempel (weitere Stempel auf dem Spiegel des vorderen Buchdeckels, auf Bl. 23r etc.). Die aktuelle Signatur ist auf dem Buchrücken auf einem Papierschild der Stadtbibliothek vermerkt: 532 / 833; ferner die Formatagabe . Die Doppel-Signatur wurde zusätzlich mit Bleistift auf dem Spiegel des vorderen Buchdeckels notiert. Ältere Signaturen finden sich auf dem Buchrücken: 194 (auf einem Papierschild und unmittelbar daneben auf dem Leder). Dieselbe Signatur mit weiteren Angaben ist auf dem Spiegel des vorderen Buchdeckels notiert: 194 / D. / II / b. (?) / 10.

Bibliographie

  • Max Keuffer, Beschriebenes Verzeichnis der Handschriften der Stadtbibliothek zu Trier, Heft 5, Ascetischen Schriften, Trier 1900, 7f.
  • Josef Montebauer, Studien zur Geschichte der Bibliothek der Abtei St. Eucharius-Matthias zu Trier, Freiburg i.B. 1931, 67 (Nr. 177).
  • Ribaillier 1987, 15.
  • Petrus Becker, Die Benediktinerabtei St. Eucharius - St. Matthias vor Trier, Germania Sacra, Neue Folge 34, Das Erzbistum Trier 8, Berlin - New York 1996, 131 (Nr. 116), vgl. 72-103.

Handschriftenteil I (Bl. 1-63)

Handschriftentitel:

Wilhelm von Lavicea

Entstehungszeit:

14 Jh.

Äußere Beschreibung

Beschreibstoff:

Pergament.

Das Ende des ersten größeren Textabschnitts war früher mit einem Blattweiser versehen (Bl. 52), von dem nur noch Klebereste eines schmalen Pergamentstreifens zurückgeblieben sind.

Foliierung:

Die Blätter 1-63 wurden auf dem Recto jeweils oben mittig in brauner Tinte mit arabischen Ziffern numeriert, wobei die Blattzahl 6 versehentlich doppelt vergeben wurde (Bl. 6 und Bl. 6a).

Lagenstruktur:

Die jeweils ersten vier Folia der 7. und der 8. Lage, also jeweils bis zur Mitte der beiden Quaternionen, sind unten rechts schwach lesbar durchnumeriert; eine entsprechende Numerierung der ersten sechs Lagen ist möglicherweise feuchtigkeitsbedingt verschwunden.

Zustand:

Größtenteils ist Pergament dieses Handschriftenteils von relativ guter Qualität. Einige Blätter sind aus Randstücken gefertigt und weisen aufgrund dessen leichte Mängel (Nähte auf Bl. 22 u. Bl. 39).

Schrift und Hände:

Textualis libraria; Inhaltsverzeichnis von späterer Hand.

Spätere Ergänzungen:

Am Ende der Lagen 1-7 und am Ende der 8. Lage findet man jeweils im linken unteren Winkel den kleinen Vermerk: Corum (?).

Von einer regen Auseinandersetzung mit dem Werk zeugen zahlreiche Marginalien und Markierungen in Form von zeigenden Fingern; im Kopfsteg von Bl. 15r befinden sich die Zeichnungen zweier Köpfe.

Inhalt:

  1. Bl. 1r-52vWilhelm von Lavicea (Ps.-Bonaventura), Via vel Dieta salutisincipit liber qui uocatur via uel dieta salutis. Hec est via ambulate in ea nec dexteram ...–... et maiestas per infinita secula seculorum Amen. Explicit via uel dieta salutis edita a fratre Guillemo de lauicea e quitauico de ordine fratrum minorum.

    Edition:

      S. Bonaventurae Opera Omnia, Parisiis Vives, Bd. 8 (1866), 248-346;; vgl. Bloomfield 204 (Nr. 2301) (Ms. non cit.).
  2. Bl. 52v-58rWilhelm von Lavicea (Ps.-Bonaventura), Distinctiones e tractatu Dieta salutis / Themata dominicaliaJncipiunt themata dominicalia. Dominica prima aduentus. Abiciamus opera tenebrarum et induamur arma lucis (Rm 13). In aduentu ...–... de castitate et luxuria per contrarium. Expliciunt themata dominicalia. Amen.

    Edition:

      S. Bonaventurae Opera Omnia, Parisiis Vives, Bd. 8 (1866), 347-358;; vgl. Schneyer 2, 472-475;; vgl. Bloomfield 20f (Nr. 77) (Ms. non cit.).

Handschriftenteil II (Bl. 64-114)

Handschriftentitel:

Wilhelm von Auxerre

Entstehungszeit:

13. Jh.

Äußere Beschreibung

Beschreibstoff:

Pergament.

Foliierung:

Ab Bl. 64r bis zum Ende des Codex wurde die Foliierung von moderner Hand mit Bleistift oben rechts fortgeführt.

Lagenstruktur:

Der zweite Teil (Bl. 64-114) beginnt mit der neunten Lage, einem Ternio (Bl. 64-70), das vor dem Beschreiben um ein Blatt (Bl. 66) ergänzt wurde.

Zustand:

Die Qualität der einzelnen Seiten wechselt stark, je nach dem, ob es sich um die Fleisch- oder Haarseite des Pergaments handelt. Das Format einzelner Folia ist zuweilen unförmig, weil aus Randstücken gefertigt, andere Folia wurden nachträglich beschnitten, das letzte Blatt 114 besteht nur zur Hälfte. Der schlechte äußere Zustand wird durch zahlreiche Löcher und Schmutz (z.B. Bl. 64r, Bl. 111r) verstärkt.

Schrift und Hände:

Textualis libraria; die Schreiberhand wechselt möglicherweise am Übergang von der siebten zur achten Lage und ein weiteres Mal auf Bl. 103r. An die Summa schließen sich auf den letzten Blättern in Cursiven, die mit unterschiedlicher Sorgfalt ausgeführt wurden, eine Reihe von Notizen und Fragmenten liturgisch-theologischen Inhalts an.

Inhalt:

  1. Bl. 64ra-112vbWilhelm von Auxerre, Summa de officiis ecclesiasticis

    Rubrik: Libellus de officiis horarum

    Jerusalem que desursum est, ad galatas iiiito ante finem, mater nostra dicitur propter tria ...–... habent etiam stolam, que significat leue iugum christi, que a dextris et a sinistris cum cunulo coniungitur. Explicit liber de officiis magistri willelmi autisiodorensis.
  2. Bl. 112v-114vNotabilia
    • (Bl. 112vb) Exemplum de incarnationeExemplum: Quidam christianus et quidam judeus et quidam paganus disputabant scilicet rome de incarnatione christi. Et iudeus et paganus dixerunt christiano, quod ita fuit possibile virginem parere, acsi lapis pareret infantem. Et statim quidam lapis deiacens iuxta eos incipit tumere coram oculis eorum et protulit infantem.

      Vgl. Bl. 113v..

    • (Bl. 112vb) Nota de baptismo...comparibus misericordie hundare. Jn capite baptizati crismate ponitur idest mitra, per quam eterne corone adepeptio designatur.

      Vgl. Bl. 113r..

    • (Bl. 113r) Nota de quattuor temporibus anni

      Rubrik: De quatuor temporibus anni

      Tempus in quo ecclesia celebrat diuinum officium per totum annum diuiditur in 4 partes ...–... jn quarto memoratur peregrinationis nostre in hac vita ad mortem et exilij, in quo sumus hic positi.
    • (Bl. 113r) Nota de baptismoparuulis baptizatis datur candela in manibus, que significat gratie illuminationem ... per quam eterne corone adepeptio designatur.
    • (Bl. 113v) Exemplum de incarnationeQuidam christianus et quidam iudeus et quidam paganus disputabant semel rome de incarnatione christi, et iudeus et paganus dixerunt christiano quod ita fuit possibile virginem parere acsi lapis pararet infantem et statim quidam lapis iacens iuxta eos incepit tumere coram oculis eorum et protulit infantem.
    • (Bl. 113v) Nota de dedicationeNotandum quod festum dedicationis tria habet in se propter que ...me celebratur. primum est quia est rememorat ... ecclesiastice sanctificationis que sanctificatio facta fuit in cruce in passione christi.
    • (Bl. 113v) Nota de xii candelisin marg. et accenduntur xij candele in signum xij apostolorum qui ...

      Vgl. Bl. 114v..

    • (Bl. 114r) Walter von Brügge (1225-1307), Instructiones circa divinum officium

      Fragmentarischer Auszug aus dem ersten Kapitel, der wegen eines Schnitts durch die Zeile am Seitenende abrupt endet..

      Rubrik: Ex tractatu dominj galteri pictauensis episcopi de vtilitatibus circa diuinum officium

      Notandum est vt dicit hugo de sancto victore sex sunt leges que peccata prohibent et ostendunt. ...–... que regulant et ordinant vitam christianorum precipue clericorum. ad hanc legem etiam reducuntur [statuta synodalia episcoporum et cotidiana precepta prelatorum].

      Edition:

        Alphonse de Poorter, Un traité de théologie inédit de Gauthier de Bruges: Instructiones circa divinum officium, in: Société d'émulation de Bruges, Mélanges 5, Brügge 1911, 1-44, hier 2f u. 6f.
    • (Bl. 114v) Nachtrag zu Instructiones circa divinum officium

      Nachtrag von anderer Hand des auf 114r abgetrennten Satzendes (mit Verweiszeichen)..

      Et plura alia que regulant et ordinant vitam christianorum precipue clericorum. Ad hanc legem reducuntur et statuta synodalia episcoporum, et cotidiana precepta prelatorum.
    • (Bl. 114v) Nota de consecratioNon plures sanctiones possunt consecrare vnam hostiam, ... ratio est, quia virtus consecrandi que est in forma verborum est diuina, quia est a deo, et deus differenter potest assumere ... ad consecrationem hostie ... sue voluntatis.
    • (Bl. 114v) Nota de xii candelisJn dedicatione crucis accenduntur xii candele in signum xii apostolorum, qui ...

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