Douai, Bibliothèque municipale, MS. 65

Douai, Bibliothèque municipale, MS. 65

Wilhelm von Auxerre ('Magister') / Wilhelm von Auxerre (OP)

Handschriftentitel:

Douai, Bibliothèque municipale, MS. 65

Entstehungsort:

Abbaye d'Anchin (Saint-Sauveur), Nordfrankreich

Entstehungszeit:

14. Jh. (anno 1369)

Äußere Beschreibung

Beschreibstoff:

Pergament.

Umfang:

85 Bl.

Format:

24 x 17 cm

Foliierung:

Die einzelnen Lagen sind auf der jeweils letzten Seite unten durchnumeriert (jus, ijus ...). Eine Foliierung ist jeweils auf dem Recto oben rechts eingestempelt worden, wobei Bl. 57bis versehentlich übergangen und nachträglich mit Bleistift foliiert wurde.

Lagenstruktur:

Die einzelnen Lagen sind mit Kustoden versehen.

Zustand:

    Einige Blätter sind aus Randstücken gefertigt.

    Das Pergament der einzelnen Blätter ist hell und zum Teil recht wellig, was sich bei der Digitalisierung nicht immer ausgleichen ließ.

Seiteneinrichtung:

2 Kol.

17,5 x 11 cm (Schriftspiegel)

17,5 x 5 cm (Kolumne)

1 cm (Interkolumnium)

à ca. 35 Zeilen

Schrift und Hände:

Textualis libraria; beide Texte wurden von derselben Hand ausgeführt und setzen immer unterhalb der ersten Zeile ein.

Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:

  • Initialen im Wechsel rot und blau mit Filigranen; Paragraphen.
  • Eine Punktierung der Folia zur Zeilenziehung ist nur in Kopf- und Fußsteg sichtbar.

Spätere Ergänzungen:

Auf einer Papiermarke, deren Fetzen auf dem Buchrücken kleben, wird auf den Inhalt verwiesen: V[Vi]llen / [S.ma] de / [offi]ciis / [eccle]siast.

Zahlreiche Marginalien von jüngerer Hand korrigieren und ergänzen den Text, möglicherweise auf Grundlage des verlorengegangenen zweiten Exemplars der Bibliothek von Douai.

Einband:

    Der Einband (26,5 x 17,5 cm) besteht aus zwei mit braunem Rindsleder überzogenen Holzplatten. Es handelt sich anscheinend um ein ehemaliges Kettenbuch: Rostablagerungen und zwei Löcher zeugen von einem knapp 30 mm breiten Eisenbeschlag, der einst an dem vorderen Buchdeckel oben mittig angebracht war und an dem vermutlich eine Kette befestigt war. In den Ledereinband ist vorne wie hinten ein Linienmuster eingeprägt worden: In vier Kassetten kreuzen sich jeweils diagonale Linien; in die so entstandenen Dreiecke ist jeweils mittig ein Stern eingepreßt.

    Der vordere Buchdeckel ist innen mit einem Pergament als Spiegel verklebt, das sich als beschnittenes Vorsatzblatt (Bl. A) fortsetzt.

    Zustand:

    Das Leder ist zum Teil sehr stark abgenutzt, vom Buchrücken sind nur noch Reste vorhanden, so daß die Bindung offen zutage tritt.

Inhalt:

Der Codex vereint die Werke zweier Autoren gleichen Namens, die offensichtlich für ein und dieselbe Person gehalten wurden: die Summa de officiis ecclesiasticis des Weltklerikers und Magisters Wilhelm von Auxerre (gest. 1231) und Gebetsauszüge des Mönchs Wilhelm (gest. 1293) aus dem Dominikanerkloster zu Auxerre.
  1. Bl. 1ra-81vbWilhelm von Auxerre, Summa de officiis ecclesiasticis

    Rubrik: Jncipit summa magistri Willeni altisiodorensis de officiis ecclesiasticis

    Jerusalem que desursum est ad Galatas .iiiito. ante faciem finem mater nostra dicitur propter tria ...–... Habent etiam stolam que significat leue iugumchristi. Que a dextris et a sinistris coniungitur cum cingulo.
  2. Bl. 81vb-84vbWilhelm von Auxerre (OP), GebetsauszügePostquam consummati sunt dies octo vt circumcideretur puer uocatum est+ nomen eius ihesus ritus circumcisionis exordium habuit ab abrahamx ...–... +.idest. celestis beatitudinis, ad quam nos perducere dignetur filius virginis xihesuschristus, qui est benedictuset gloriosus in secula seculorum amen.

    unediert, vgl. Thomas Kaeppeli, Scriptores Ordinis Praedicatorum Medii Aevi, Bd. 2, Roma 1975, 89f. [Ms. non cit.]

Herkunft

Provenienz der Handschrift:

Der Codex gehörte zum Bestand der ehemaligen Benediktinerabtei von Anchin. Einen Hinweis auf den Ort seiner Entstehung liefert ein fast verblichener Vermerk auf der letzten Seite unten (Bl. 84v), der besagt, daß ein gewisser Pierre de Moyenneville, Magister und ehemals Kaplan an der Kirche von Amiens, den Codex der Abtei im Jahre 1369 durch einen Beauftragten übereignet habe: monasterio nostro aquicintensi datus fuit iste liber anno dominj mocccolxixo ab excequtore [sic!] magistri petri de media uilla quondam capellani in ecclesia ambianensi. Derselbe Vermerk ist neben weiteren Notizen unvollständig auf das vordere Vorblatt (Bl. Ar) übertragen worden: Monasterio acquiscintensi datum fuit iste / liber ////. Ebendort und auf der Innenseite des hinteren Buchdeckels befindet sich ein ovaler Stempel der Bibliotheque Municipale de Douai, in deren Bestand der Codex neben weiteren nach der vollständigen Zerstörung der Abtei während der Wirren der Revolution einging. Gustav Haenel hat Anfang des 19. Jahrhunderts noch ein weiteres Exemplar der Summa de officiis ecclesiasticis des Wilhelm von Auxerre in der Bibliothek von Douai vorgefunden, über dessen Verbleib allerdings keine Informationen vorliegen (siehe dort).

Ein älterer runder Stempel der Bibliothek findet sich auf den Blättern 1r, 42r und 84v und zeigt ein Wappen mit Umschrift: BIBLIÔTHÈQUE PUBLIQUE DOUAI. Die aktuelle Signatur ist auf einer bedruckten bzw. gestempelten und auf den Buchrücken geklebten Papiermarke, die nur noch in Fetzen vorhanden ist und unter der die Reste einer noch älteren Marke hervortreten. Ms. 65 ist ferner mit blauem Buntstift auf der Innenseite des vorderen Buchdeckels und auf dem ersten Vorsatzblatt (Bl. Ar) und mit Bleistift auf der ersten Seite oben (Bl. 1r) vermerkt worden.

Bibliographie

  • Gustav Haenel, Catalogi librorum manuscriptorum, Leipzig 1830, 151.
  • Abbé C. Dehaines, Catalogue général des manuscrits des bibliothèques publiques des départements, Bd. 6 (Douai), Paris 1878, 43f.
  • Martineau 1932, 34f.
  • Ribaillier 1987, 12.

Zur Abtei von Anchin:

  • Énee Aime Escallier, L'abbaye d'Anchin 1079-1792, Lille 1852, hier bes. 154f u. 201-204.
  • Abbé Jean Baptiste Marie Roze, Nécrologe de l'Eglise d'Amiens suivi les distributions aux fêtes, in: Memoires de la société des Antiquaires de Picardie 8 (1885), 265-503.
  • Jean-Pierre Gerzaguet, L'Abbaye d'Anchin de sa fondation (1079) au XIVe siècle. Essor, vie et rayonnement d'une grande communauté bénédictine, Villeneuve d'Ascq 1997, hier bes. 121ff u. 135 (mit Anm. 54).

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