Brüssel, Bibliothèque Royale, Ms. II 1088

Brüssel, Bibliothèque Royale, Ms. II 1088

Wilhelm von Auxerre

Handschriftentitel:

Brüssel, Bibliothèque Royale, Ms. II 1088

Entstehungsort:

Aulne (Zisterzienserkloster), Frankreich

Entstehungszeit:

14. Jh.

Frühere Signatur(en):

4669 Ph[illips]

Katalognummer:

1502

Äußere Beschreibung

Beschreibstoff:

Pergament.

Umfang:

301 Bl. 32,7 x 21,2 cm

Foliierung:

Eine Foliierung wurde von jüngerer Hand mit schwarzer Tinte jeweils auf dem Recto rechts oben durchgeführt. Eine zusätzliche Paginierung wurde von einer nochmals jüngeren Hand mit Bleistiftdurchgeführt, wobei nur ungerade Seitenzahlen jeweils auf dem Recto (in der Verlängerung des Interkolumnium bzw. unterhalb der rechten Kolumne) vermerkt wurden.

Lagenstruktur:

Der Codex setzt sich aus 23 Senionen (jeweils zwölf Blätter) zusammen, an die sich am Ende drei weitere Blätter anschließen.

In der Mitte der 18. Lage scheint ein verstärkender Steg in den Buchfalz eingebunden zu sein. Drei einzelne Schutzblätter beschließen den Codex.

Das neue Pergament, mit dem die Buchdeckel von innen als Spiegel beklebt sind, setzt sich vorne wie hinten jeweils als Vor- bzw. Nachsatzblatt (feuille de garde) fort.

Die ersten acht Lagen sind auf der jeweils letzten Seite unten durchnumeriert+ (Bl. 12v, 24v, 36v, 48v, 60v, 72v [mit blauer Tinte korrigiert], 84v [blau], 96v [rot])x. Die Numerierung wird dann ab der neunten Lagen mit roter Tinte auf der jeweils ersten Seite unten fortgeführt+ (Bl. 97r [rot], 109r [rot], 121r [rot], 133r, 145r, 157r)x, bricht dann mit der 14. Lage ab, wird mit der 21. Lage wieder aufgenommen+ (Bl. 252v)x und bricht erneut mit den beiden letzten Lagen Nr. 23 und 24 wieder ab+ (vgl. Bl. 288v, 290v)x.

Mit Ausnahme der sechsten Lage+ (vgl. Bl. 96v)x sind bis zur zwölften Lage einschließlich+ (vgl. Bl. 144)x alle Lagen sowie die 21. und 22. Lage +(Bl. 252v, 264v [gekappt]) xmit Kustoden versehen. Auf der 13. Lage bis zur 20. einschließlich+ (vgl. Bl. 156v, 168v, 180v, 192v, 204v, 216v, 228v, 240v)x sowie auf den vorletzten beiden Lagen fehlen Kustoden+ (vgl. Bl. 288v, 298v). Die Lagen sind aber an dem Bindfaden in dem Falz der jeweiligen Lagenmitte zu erkennen. Darüberhinaus läßt sich bis zur 21. Lage einschließlich der Beginn einer jeden Lage an den schwachen Bleistiftstrichen ablesen, die auf der jeweils ersten Seite der einzelnen Lage am oberen Seitenrand die Nummer des von der einzelnen Lage beinhalteten Buches der Summa aurea verzeichnen (Bl. 1r, 13r, ... 169r, 191r, ... 253r). Nur bei der 18. Lage (Bl. 205-216) ist das entsprechende Buch auf allen Recto-Seiten mit den Bleistiftstrichen versehen. Die sechs Bögen der zehnten Lage sind mit schwachen geschwungenen roten Strichen durchnumeriert (jeweils unten auf den Blättern 121r, 122r, 123r, 124r, 125r, 126r)x.

Zustand:

Das Pergament ist überwiegend sauber und glatt; nur wenige Mängel (etwa: Bl. 185 [genäht]).

Seiteneinrichtung:

2 Kolumnen mit jeweils 56 Zeilen

22 x 13,5 cm (Schriftspiegel) ca. 1 cm (Interkolumnium).

Der Kommentar auf dem letzten Blatt erstreckt sich über je zwei Kolumnen von jeweils 114 Zeilen (Schriftspiegel: ca. 25 x 14,5 cm; Interkolumnium: ca. 0,7 cm).

Eine Punktierung der Blätter für die Zeilenziehung ist zumeist am jeweiligen Seitenrand zu sehen.

Schrift und Hände:

  • Beide Summen sind in einer kleinen, jedoch gleichmäßigen und gut lesbaren Textualis libraria mit relativ vielen Kürzungen ausgeführt.
  • Der Kommentar auf dem letzten Blatt von anderer Hand ist in einer winzigen Textualis libraria.

Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:

  • Die Initialen wurden im Wechsel rot und blau ausgeführt mit filigranem Rankenwerk in der jeweils anderen Farbe. Das Blau der Initialen weicht in der Intensität durchweg von dem eher matten Blau der Filigrane ab. Umgekehrt weicht das intensivere Rot der Filigrane von dem eher matten Rot der Initialen ab.
  • Im Seitentitel der Summa aurea wird das jeweilige Buch angegeben: L I - L III (Bl. 1r-270r). Eine entsprechende Zählung in der Kopftitelzeile der Summa de officiis bricht nach wenigen Seiten ab und wurde ausradiert (Bl. 270v-275r) – möglicherweise aufgrund der unklaren und von der Aussage im Prolog abweichenden Einteilung (siehe Einleitung). Der Text der Summa aurea ist mit zahlreichen Kapitel- bzw. Paragraphenzeichen versehen, die im Wechsel rot und blau ausgeführt sind. Unter dem Text waren in einer Fußzeile unterhalb der einzelnen Kolumnen die Titel der in der jeweiligen Kolumne beginnenden Rubriken vermerkt, doch fiel die Zeile zumeist einem Neuschnitt der Blätter zum Opfer. Den Rest einer solchen Fußzeile bei der Summa de officiis findet man nur unterhalb der vorletzten Kolumne (Bl. 297ra): de manipulo. Zuweilen findet man Reste von Titeln auch am rechten bzw. linken Seitenrand (3v, 6v, 7r, 10r, 11v).

Spätere Ergänzungen:

Viele Markierungen am Textrand mit dünnen Bleistiftstrichen; darüber hinaus allerdings nur wenig Marginalien+ (vgl. Bl. 21r, 28v, 41v, 42r, 46r, 47v, 56v, 59r, 77r, 184v, 187v, 225r, 228r, 280r-v)x und kaum Gebrauchsspuren.

Einband:

    Helles auf Holzdeckel gezogenes Rindsleder (Maße: 22,5 x 34,5 cm; 6,5 cm dick); aus Messing zwei Schließen und Beschläge an Ecken und Kanten beider Deckel, sowie jeweils vier Nieten in den Winkeln. Auf dem Buchrücken zeichnen sich vier Bünde ab; an den beiden Kapitalen ist ein dunkler Lederriemen in den Ledereinband hineingeflochten.

    Den alten Einband beschreibt van den Gheyn noch als halbledern mit englischem Leinen (demi-reliure toile anglais). Der Codex ist 1976 neu gebunden worden. Ein Signet auf dem Hinterspiegel benennt den beauftragten Buchbinder Marchoul samt Datum der Ausführung: MJMARCHOUL 1976, wobei sich die ersten drei Buchstaben im Schaft des J vereinen.

    Ebenfalls auf Hinterspiegel hat man den ehemaligen Buchrücken des früheren Einbands geklebt; darauf sind in goldenen Lettern die Titel der beiden in diesem Codex vereinten Summen aufgetragen.

    Daneben klebt eine kleine rechteckige Papiermarke, auf dem in Druckbuchstaben Buchbinder und Jahreszahl einer früheren Bindung zu lesen stehen: BRETHERON, ligavit 1850.

    Vorne wie hinten sind ein Rauten-Muster mit Drachen- und Blumenmotiven eingepreßt. Auf dem Buchrücken ist unten mit schwarzer Tinte die aktuelle Signatur vermerkt.

    Zustand:

    Makelos.

Inhalt:

  1. Bl. 1ra-270raWilhelm von Auxerre, Summa aurea

    Rubrik: Jncipit summa magistri Guillelmi autisiodorensis. de Fide et quomodo fides ostenditur triplici racione.

    Fides est substantia rerum sperandarum ...–... regnat per omnia secula seculorum. Amen.

    Rubrik: Explicit maxima summa magistri Gullelmi. Autissiodorensis. Ore mihi nocuit in omnibus.

    Magistri Guillelmi Altissiodorensis Summa aurea, hg. v. Jean Ribaillier, 5 Bde., Paris 1980-1987.

    (Bl. 297v-300v) Kapitelverzeichnis zur Summa aurea (mit Initien)
  2. Bl. 270va-297rbWilhelm von Auxerre, Summa de officiis ecclesiasticisJErusalem que desursum est .ja. ad Galatas .iiijo. ante finem+. mater nostra dicitur propter tria. sumus enim filij eius per doctrinam apostolorum et aliorum sanctorum qui sunt ciues illius ciuitatis.x ...–... +HAbent eciam stolam que significat leue iugum christi xque a dextris et a sinistris coniungitur cingulo.

    Rubrik: Explicit summa de officiis ecclesiasticis. deo Gracias

  3. Bl. 301ra-vbKommentar zu Weish. 13: Vani sunt omnes homines ...Vani sunt omnes homines in quibus non subest scientia dei. sapientie xiii. Jn hec verba altitudini ...–... nobis ad laudem et gloriam et honorem. et cetera.

    Rubrik: man. rec. Et sic est finis

Herkunft

Entstehung der Handschrift:

Sanderus zufolge stammt der Codex aus der Zisterzienserabtei von Aulne nahe Lüttich. Eine Bleistiftnotiz aus dem 20. Jh. auf Blatt 1r unten vermerkt entsprechend: De Alna.

Provenienz der Handschrift:

Eine Bleistiftnotiz auf derselben Seite oberhalb der ersten Kolumne schreibt den Codex der Handschriften-Collection von Sir Thomas Phillipps zu, die er vor allem in den Jahren 1820-1825 angelegt hatte: 4669 Ph[illips]. Am Ende der vorletzten Lage, auf Blatt 298v unten, ist in schwarzer Tinte der Betrag von achteinhalb Pariser Pfund vermerkt, möglicherweise der Kaufpreis: .viii. lb. et demi parisien.

Auf dem Vorderspiegel ist ein kleines Formular mit den folgenden Angaben eingeklebt: BIBLIOTHECA REGIA BELGICA – CODICES MANUSCRIPTI – Inv.: II 1088 – Cat.: 1502 – Form.: C. Stempel der BIBLIOTÈQUE ROYALE DE BELGIQUE auf den Blättern 1r, 65r, 112r und 301v.

Bibliographie

  • Antonius Sanderus, Bibliothecae Belgicae manuscriptae, Bd. 2, Insulis (Lille) 1644, 246 (classis quarta, decuria septima).
  • Joseph van den Gheyn, Catalogue des manuscrits de la Bibliothèque royale de Belgique, Bd. 2, Brüssel 1902, 396 (Nr. 1502).
  • Ribaillier 1987, 14f u. 56f.
  • Émile Van Balberghe / Guy Zelis, Medieval Libraries of Belgium. A list of surviving manuscripts, in: Scriptorium 28 (1974), 103-109.
  • vgl. Guy Zelis, La bibliothèque de l'ancienne abbaye cistercienne d'Aulne. Méthode d'enquête et répertoire des manuscrits, Diss. typogr. (Université de Louvain, Faculté de Philosophie et Lettres), Louvain 1969.

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Abbildungen


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