Mailand, Bibliotheca Nazionale Braidense (La Brera), AD. IX.15

Mailand, Bibliotheca Nazionale Braidense (La Brera), AD. IX.15

Wilhelm von Auxerre / Aldobrandinus von Tuscanella

Handschriftentitel:

Mailand, Bibliotheca Nazionale Braidense (La Brera), AD. IX.15

Entstehungsort:

Frankreich Italien

Entstehungszeit:

  • 13. Jh.
  • 14. Jh.

Frühere Signatur(en):

7h (7b ?)

Äußere Beschreibung

Beschreibstoff:

Pergament.

Umfang:

116 Bl.

Format:

20 x 14,2 cm

Lagenstruktur:

Zustand:

Bl. 66 diente vor der Zusammenführung der beiden Teile vermutlich als hinteres Schmutzblatt für den Text der Summa de officiis und ist entsprechend verdreckt und beschädigt.

Spätere Ergänzungen:

Auf den beiden Vorsatzblättern ist die fragmentarische Kopie eines Rechtsaktes aus dem Jahre 1418 erhalten, der Klöster betrifft, die der Kartause angebunden waren, und an dem die Prioren Otwin (?) und Heinrich der Häuser vom Michaelsberg bei Mainz und vom Johannisberg bei Freiburg beteiligt waren: Ortruinus (?) et Heinricus priores domorum montis sancti Michahelis prope Moguntiam et montis Johannis prope fryburgum (Zitat nach Grossi Turchetti 1994, 16).

Die Haupttexte des Codex sind mit 1. (Bl. 5r), 2. (Bl. 66r) und 3. (Bl. 67r) beziffert.

Einband:

Aus dem 17./18. Jh. stammender Ledereinband.

Auf den Buchdeckeln des Ledereinbands in Goldprägung das Monogramm der Kartause Santa Maria delle Grazie: GRA / CAR, auf dem Buchrücken die aktuelle Signatur.

Herkunft

Provenienz der Handschrift:

Die Sammelhandschrift setzt sich im wesentlichen aus zwei Teilen zusammen: Der erste Teil ist französischer Provenienz und stammt aus dem 13. Jh., der zweite Teil ist italienischer Provenienz und stammt aus dem 14. Jh. (siehe dort). Beide Teile gelangten aus der Kartause Santa Maria delle Grazie von Pavia kurz nach der Unterdrückung des Kartäuserordens im Jahre 1782 in den Bestand der Biblioteca Braidense zu Mailand, wo sie bei einer Katalogserweiterung vom November des Jahres 1800 zunächst noch separat erfaßt und erst im Verlauf der darauffolgenden fünfzig Jahre zu einem Codex vereint wurden. Der erste Teil weist auf Bl. 5r einen Besitzervermerk der Kartause aus dem 15. Jh. auf: domus papie ordinis cartusiensis, und wird in einem zwischen 1598-1603 angefertigtem Inventar der Kartause aufgelistet, wobei das Kürzel wli für willelmi im Titel auf Bl. 5ra fehlgedeutet wurde: Usi Summa de officiis ecclesiasticis (Ms. Vat. lat. 11276, Bl. 5r-8r; siehe Gargan 1998, 63). Der zweite Teil weist auf Bl. 67r einen Besitzervermerk in einer Cursiva formata aus dem 14./15. Jh. auf: Jste liber est domus sancte marie scole dei ordinis cartusiensis prope par[mam]. +Dieselbe Hand hat unter dem Vermerk die Signatur 7h oder 7b verzeichnet. Am oberen Seitenrand wurde zudem von jüngerer Hand die arabische Ziffer 63 notiert.x

Bibliographie

  • Domenico Fava, La biblioteca della Certosa di Pavia, in: Ai Soci dell'Atene e Roma riuniti a Milano pel III Convegno nazionale, 21-24 aprile 1908, nella Biblioteca Nazionale di Brera, Milano 1908, 43.
  • Palémon Glorieux, Répertoire des maîtres en théologie de Paris au XIIIe siècle, Bd. 1, Paris 1933, Liste der Hss. (in fine).
  • Martineau 1932, 37f.
  • Ribaillier 1987, 13 (Beschreibung von Élisabeth Pellegrin).
  • Silvia Castelli, Un antico elenco braidense e i codici di "conventi soppressi" nelle biblioteche milanesi, in: Italia Medioevale e Umanistica 43 (1991), 199-257, hier 219 (Nr. 32).
  • Maria Luisa Grossi Turchetti, Di alcuni manoscritti Braidensi provenienti dalle congregazioni religiose soppresse, in: Libri e Documenti 18 (1993), 42-53, hier 42.
  • Maria Luisa Grossi Turchetti, Inventario dei manoscritti Braidensi provenienti dalla Certosa di Pavia, in: Libri e Documenti 20 (1994), 1-44, hier 3f u. 15f.
  • Luciano Gargan, L'antica biblioteca della Certosa di Pavia (Sussidi eruditi 47), Roma 1998, hier insbesondere 20 u. 90.

Handschriftenteil I (Bl. 1-66)

Handschriftentitel:

Wilhelm von Auxerre

Entstehungszeit:

13. Jh.

Äußere Beschreibung

Beschreibstoff:

Pergament.

Das erste Quaternio (Bl. 12v) ist durch Neuschnitt zur Hälfte gekappt.

Foliierung:

Moderne Foliierung, die die beiden Vorsatzblätter einschließt.

Lagenstruktur:

Kustoden findet man am Ende des ersten Quaternios (Bl. 12v) und am Ende des Quinios (Bl. 62v).

Innerhalb des vierten Quaternios (6. Lage) sind zwei Textpartien durcheinandergeraten: Der Textabschnitt der ersten Hälfte des Quaternios, also der vier vorderen Blatt (Bl. 29-32), gehört eigentlich hinter den Textabschnitt der zweiten Hälfte (Bl. 33-36). Die Fehlbindung läßt sich dadurch erklären, daß die vier ausgefalteten übereinander liegenden, vollständig beschriebenen Bögen des Quaternios in falscher Richtung gefaltet wurden, so daß die eigentlich erste Seite (Bl. 33r) sich fälschlicherweise in der Lagenmitte gegenüber der eigentlich letzten Seite des Quaternios (Bl. 32v) befindet. Auf dieser eigentlich letzten Seite des Quaternios ist am untersten Seitenrand das hochgeschriebene ur-Kürzel des ansonsten abgeschnittenen Kustoden -tamur zu sehen, der als Fortführung des letzten Wortes inui- den Beginn des folgenden fünften Quaternios (Bl. 37ra) vorwegnimmt. Die Lagenzählung wurde erst nach der fehlerhaften Bindung durchgeführt (siehe Bl. 36v).

Seiteneinrichtung:

2 Kol.

Schrift und Hände:

Textualis libraria (französische Hand).

Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:

Die Eingangsinitiale ist in rot und blau ausgeführt und mit vielerlei Zierwerk versehen; die nachfolgenden Initialen sind im Wechsel rot und blau mit dezenterer Verzierung. Das Textbild ist desweiteren duch Rubriken und rubrizierte Satzanfänge strukturiert.

Spätere Ergänzungen:

Die Quaternionen wurden auf der jeweils letzten Seite unten durchgezählt (i-vij).

Von späterer, doch nahezu zeitgenössischer Hand wurde der gesamte Text anhand einer anderen Textvorlage redigiert und mit dünnem Federstrich zwischen den Zeilen und an den Seitenrändern mit zahlreichen Korrekturen und Ergänzungen versehen (z.B. Bl. 14ra-b, 17va-b).

Darüberhinaus findet man viele Marginalien wiederum anderer Hände: So befinden sich vor allem am unteren Seitenrand Tituli, die durch kleine Verweiszeichen den entsprechenden Textstellen zugewiesen werden. Dieselbe Hand nahm weitere Korrekturen (z.B. Bl. 16rb) vor und versah den Text an einigen Stellen mit Questio- und Solutio-Kürzeln (z.B. Bl. 15rb, 15vb) sowie mit Bibelverweisen (z.B. Bl. 16rb-vb).

Ferner begegnen Randnotizen unterschiedlichster Länge (z.B. Bl. 15r, 22r, 27r, 40v, 51r) und weitere Korrekturen (z.B. Bl. 16rb).

Inhalt:

  1. Bl. 1r-4vVorsatz (Makulatur)
  2. Bl. 5ra-65vWilhelm von Auxerre, Summa de officiis ecclesiasticis

    Rubrik: Jncipit summa magistri wilelmi antisiodorensis de officiis ecclesiasticis

    Jerusalem que desursumest ad galatas iiii ante finem mater nostra dicitur propter tria ...–... et a sinistris coniuguntur cum cingulo. Finis adest operi sit modo sicut heri.
  3. Bl. 66rZitatensammlung
  4. Bl. 66vNotae

Handschriftenteil II (Bl. 67-116)

Handschriftentitel:

Aldobrandinus von Tuscanella

Entstehungszeit:

14. Jh.

Äußere Beschreibung

Beschreibstoff:

Pergament.

Foliierung:

Neben einer modernen Foliierung findet man auf Bl. 67-73 eine ältere Foliierung (1a-7a), die dann aber nicht weiter fortgeführt ist.

Seiteneinrichtung:

1 Kol.

Schrift und Hände:

Textualis libraria (italienische Hand).

Inhalt:

  1. Bl. 67r-105vAldobrandinus von Tuscanella, Scala fidei

    Rubrik: Jncipit opus quod dicitur Scala.

    Fvniculus triplex difficile rumpitur. Funiculus quo a terra trahimus ad celum ...–... ad quas nos perducat.

    Edition:

      vgl. Th. Kaeppeli, Scriptores Ord. Praed., Bd. 1, 40-42 (Nr. 133; ms. non cit.)
  2. Bl. 106r-112vPseudo-Bonaventura, De tribus ternariis peccatorum infamibusTres sunt ternarii peccatorum infames ...–... qui manet in caritate in Deo manet.

    Edition:

      u.a. S. Bonaventurae ... opera, Bd. 4, Vatican 1596, 279-285;; vlg. B. Distelbrink, Bonaventurae scripta authentica dubia vel spuria critice recensita, Subsidia Scientifica Franciscalia 5, Roma 1975, 127, Anm. 114.
  3. Bl. 112v-116rAldobrandinus von Tuscanella (?), De domo spirituali[D]Omus mea domus orationis uocabitur, Luca 19, Circa edificationem et descriptionem domus spiritualis in qua mens

    Edition:

      vgl. Th. Kaeppeli, Scriptores Ord. Praed., Bd. 1, 46 (Nr. 140; ms. non cit.);; Schneyer 7,264, Nr. 3.

    Bl. 116v, Notizen zu geschuldeten Geldbeträgen (vgl. Grossi Turchetti 1994, 16)..


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